Aktuelles

Mitgliederversammlung am 07. Juni 2013 in Rendsburg: Rede von Lorenz Marckwardt

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Berufskollegen,

zur öffentlichen Sitzung unseres diesjährigen Landes-Fischereitages - der Mitgliederversammlung des Landesfischereiverbandes - in Rendsburg begrüße ich Sie alle sehr herzlich.

Ich freue mich, dass auch in diesem Jahr Vertreterinnen und Vertreter

-der politischen Parteien,

-der Stadt Rendsburg,

-des Landwirtschaftsministeriumsin Kiel,

-von Bundes- und Landesbehörden,

-der Landwirtschaftskammer,

-der BG Verkehr (Seeberufsgenossenschaft)

-der Fischereiforschung ,

-der Fischereiverbände aus anderen Bundesländern und unseres Dachverbandes,

-sowie der Presse

unserer Einladung gefolgt sind. Seien Sie uns alle herzlich willkommen!

Besonders herzlich heiße ich auch unsere ehemalige Geschäftsführerin Frau Flindt und ihren Gatten willkommen.

Wie schon im letzten Jahr treffen wir uns hier am zentralen StandortRendsburg, für die Mehrzahl günstig zu erreichen, mit ausreichenden Parkmöglichkeiten und einer Top-Verpflegung durch das Team der DEULA. Auch in diesem Jahr laden wir im Anschluss an die Veranstaltung in die DEULA zum Mittagessen ein.

Meine Damen und Herren,

wir Fischer nutzen gern die Gelegenheit, mit unseren Gästen die aktuelle Situation in der Fischerei zu diskutieren, Probleme anzusprechen und nach Lösungen zu suchen.

In Schleswig-Holstein sind seit dem Regierungswechsel starke Kräfte aktiv, um die Stellnetzfischerei an unseren Küsten dauerhaft abzulösen.

Dazu aber später detailliert.

Auch in diesem Jahr wird uns Herr Dr. Zimmermann vom ÍOR die aktuellen

ICES-Empfehlungen für die Ostseefangquoten des nächsten Jahres vorstellen und gewohnt eloquent erläutern.

Wie schon im letzten Jahr angemerkt, läuft die fachliche Arbeit unseres Verbandes in der „Sparte See- und Krabbenfischerei des Nordsee“ noch nicht rund. Zwar konnte ein erstes Treffen arrangiert werden, doch im Anschluss konnte diese Facharbeit nicht weiter vorangetrieben werden.

Zwar wurde der neutrale Standort Rendsburg als neue „Zentrale“ der Sparte von allen Seiten positiv gesehen, doch gestaltet sich die Findung von Terminen sehr schwierig. Aufgrund der zurzeit vorliegenden Fang- und Erlössituation in der Krabbenfischerei scheint auch der Wille zur konstruktiven Zusammenarbeit erlahmt zu sein.

Gleichzeitig werden von Seiten der Krabbenfischer hohe Erwartungen an die in den Startlöchern stehende Große EO gesetzt. Der Landesfischereiverband wird mit der Großen EO den Schulterschluss suchen und finden.

Die schleswig-holsteinischen Teile der Große EO haben auch Interesse bekundet, als korporative Mitglieder dem Landesfischereiverband Schleswig-Holstein als politische Interessenvertretung beizutreten.

Wie sieht es zurzeit mit der Ertragslage in der Fischerei aus?

Die Winterfischerei auf Hering in der Ostsee lief wie im vergangenen Jahr sehr gut. Die Rekordanlandungen des letzten Jahres wurden schon Ende Januar übertroffen.

Bedingt durch den langen Winter war die Natur lange Zeit in Warteposition. Mit dem ersten Ansteigen der Temperatoren dann explodierte die Natur und auch die Heringe kamen endlich zum Laichen an die Küsten.

Die Bestände entwickeln sich weiterhinpositiv, so dass für 2013 die Quoten in der westlichen Ostsee um 23 % und in der zentralen Ostsee um 13 % angehoben werden konnten.

Durch gute Nachfrage waren die Erzeugerpreise in 2012 stabil bis leicht steigend.

In diesem Jahr befinden sich große Mengen der wichtigsten Fischarten am Markt, so dass die Preise um 13 bis 15 % gefallen sind.

Auch Schollen gibt es reichlich, aber der Erzeugerpreis lag bei ca. 1,00 Euro.

Beim Dorsch wurden in 2012 mäßige Preise verzeichnet.

Der östliche Dorsch ab Gebiet 25 befindet sich auf hohem Niveau, so dass die Quoten in 2012 um 15 % angehoben wurden.

Allerdings sind die Fische zum größtenteil mager. Warum? Gibt es doch ausreichend Nahrung. Der Sprottenbestand ist doch gut.

In der Nordsee wurden die EU-Quoten 2012 für Schellfisch, Scholle und Wittling um 15 % angehoben, die Heringsquote konnte aufgrund der guten Bestandsentwicklung sogar um 100 % gesteigert werden. Abschläge gab es bei Kabeljau (minus 2 %) und Seelachs (minus 15 %).

Für das Jahr 2013 konnte aufgrund der positiven Bestandsentwicklung für die Bestände von Hering, Scholle, Seelachs und Schellfisch eine um 15 % höhere Quote festgesetzt werden.

Diese positiven Bestandsentwicklungen sind ein Ausdruck des Erfolgs der Nachhaltigkeitswende in der Fischerei.

All die Bemühungen und Opfer der letzten Jahre waren nicht umsonst. Inzwischen wird mehr als die Hälfte der Bestände nachhaltig bewirtschaftet und liefert bereits jetzt wachsende Erträge.

Es bleibt zu hoffen, dass diese Erfolge nicht zu weiteren Absatzproblemen führen und die Verbraucher durch den Kauf unserer Produkte die Anstrengungen der Fischerei würdigen.

Zusätzlich zu den Quoten werden immer noch Fangtage bzw. KW-Tage auferlegt , obwohl die neue Reform der EU-Fischereipolitik versprochen hat, nur noch Quoten festzusetzen und keine weiteren Fangaufwandsbeschränkungen festzulegen.

Wie auch schon in den Vorjahren angemerkt, ist der Gasölpreis der Kostenfaktor Nummer 1 in unseren Betrieben.

Eine Übersicht über die Fänge und Erträge der schleswig-holsteinischen Kutter ist wie jedes Jahr im Jahresbericht des LLUR veröffentlicht.

Die EU hat die neue Reform der GFP beschlossen.

Das Discardverbot wurde auf 5% festgelegt,

den Umweltverbänden geht das nicht weit genug, sie fordern 0%.

Es sind viele Dinge, die noch nicht abschließend geklärt sind.

Auf Null-Prozent wurde das Diskard-Verbot nicht festgesetzt.

Warum kann man Organismen mit hohen Überlebenschancen bei Rückwurfnicht wieder ins Meer zurückgeben um weiter zu wachsen und sich sogar zu reproduzieren.

Unsere Fischereivertreter haben erreicht, dass die relative Stabilität weiterhin für die deutsche Fischerei erhalten bleibt.

Vielleicht kann uns Herr Dr. Breckling nachher auf den neuesten Stand der Diskussion bringen.

Meine Damen und Herren,

Die nächste Gelegenheit für einen erhöhten Blutdruck gibt es nach wie vor durch die im Koalitionsvertrag unserer neuen Landesregierung festgelegten Ziele.

Unter dem Punkt „Fischerei“ heißt es wie schon im letzten Jahr angeführt,

ich zitiere: „Um die besonders bedrohte Schweinswalpopulation in der Ostsee besser zu schützen, setzen wir uns für alternative Fischfangmethoden ein und werden die Stellnetzfischerei dauerhaft ablösen.“ Zitat Ende.

Dieses widerspricht den Aussagen zur Fischereipolitik ,-- nicht nur in Schleswig-Holstein -- sondern auch die neue EU-Reform will die traditionelle kleine, handwerkliche Fischerei an den Küsten erhalten und stärken.

Seit letztem Herbst befindet sich die Fischerei in einem regen Diskussionsprozess mit dem neuen Fischerei-Minister.

Ja, Robert Habeck ist auch für die Fischerei zuständig .

Er bekundet zwar regelmäßig seinen Willen zum Erhalt der handwerklichen Fischerei an unseren Küsten, aber es gibt starke dagegen gerichtete Aktivitäten, natürlich angeheizt durch die dogmatischen und absolutistischen Forderungen der Umwelt-, Vogel- und Schweinswalschützer.

Die immer wieder zitierten Bestandszahlen sowie Zahlen zu Beifängen werden von der Fischerei sehr kritisch hinterfragt.

Außerdem hilft auch kein schleswig-holsteinischer Alleingang.

Vor allem bei Seevögeln wird auch durch Jagd im Ausland massiv in die Bestände eingegriffen.

Aber der Schutz in Schleswig-Holstein wird die Rettung für die Populationen sein!!!!

Hier will man, auch gefordert von allen Umweltverbänden als Vorzeigeland für Seevogel- und Schweinswalschutz präsentieren.

Die derzeit im Raum stehende zeitlich umfassende Sperrung von Fischereigebieten für die Stellnetzfischerei sowohl im Winter zum Schutz der Seevögel als auch im Sommer zum Schutz der Schweinswale kann so nicht hingenommen werden.

Es fehlen zurzeit einfach noch wirtschaftlich vertretbare Alternativen.

Die Fischerei hat sich dazu bereit erklärt, alternative Fangmethoden zu erproben. Die Einwände der Fischerei zur wirtschaftlich nicht ausreichenden Fängigkeit wird allerdings von der Gegenseite nicht hinreichend akzeptiert.

Die Kompromissvorschläge seitens der Berufsfischerei, im Spätsommer 4 bis 6 Wochen zum Schutz der Schweinswale in bestimmten Gebieten die Stellnetzfischerei einzustellen, werden nicht akzeptiert.

Welcher Umweltschützer ist bereit für 8 Monate im Jahr sein Einkommen zur Verfügung zu stellen, um dem Schutz der Seevögel und Schweinswale zu dienen?

Ich glaube, da gibt es null Resonanz.

Aber von den Fischereibetrieben wird Zustimmung zu solchen einschneidendenMaßnahmen erwartet. Auch die Fischer haben Familien mit Kindern zu versorgen. Aber das interessiert niemanden.

Hier muss ich auch die Frage an alle Verantwortlichen die sich mit der Fischerei beschäftigen stellen, will man überhaupt noch eine handwerkliche Berufsfischerei ,oder soll es nur noch Hobby-Fischer geben?

Es wird zwar immer gesagt, Schleswig–Holstein das Land zwischen den Meeren,- wir brauchen die Fischerei - ,ohne sie wäre das Land ärmer.

Alles nur Lippenbekenntnisse?

Auch die Fischerei braucht Luft zum Atmen.

Die vom Minister zugesagte Unterstützung für eine bessere und regionale Vermarktung unserer Fischereiprodukte ist sicher anerkennenswert und löblich. Abgesehen davon, dass auf diese Weise sicherlich nur eine begrenzte Menge abgesetzt werden kann, bleibt doch die Frage im Raum stehen: was soll eigentlich noch vermarktet werden, wenn es an unseren Küsten keine Fischereibetriebe mehr gibt.

Gerade die Stellnetzfischerei ist in den vergangenen Jahren immer als besonders umweltverträglich hervorgehoben worden, weil sie sehr selektiv istund zudem auch noch wenig Treibstoff verbraucht.

In Dänemark wurde speziell zur Stellnetzfischerei im letzten Jahr eine Studieerstellt, zwecks Erfassung von Beifängen aller Art, auch Seevögel und Schweinswale.

Als Ergebnis wurde das Stellnetz dort als das Top-Fanggerät hervorgehoben.

Diese Studie wurde auch dem Minister zur Verfügung gestellt, der dies einfach ignoriert.

Weitere Probleme, die der Fischerei ebenfalls noch erhebliche Kopfschmerzen bereiten, sind die Verklappung von Nassbaggergut durch die Vertiefung und Verbreiterung des Nord-Ostsee-Kanals.

Uns hat der Umweltminister vor Vertretern der Fischerei in die Hand versprochen, es besteht keine Notwendigkeit Baggergut im Meer zu verklappen. Wir brauchen genügend Sediment, um den Küstenschutz in den kommenden Jahrzehnten zu sichern.

Das gleiche gilt auch für das stark belastete Baggergut aus dem Hamburger Hafen, das südlich von Helgoland ins Meer verbracht werden soll.

Jährlich 600.000 Kubikmeter zu zwei Euro der Kubikmeter (1,2 Millionen Euro). Dieses Geld wird den Umweltverbänden zur Verfügung gestellt um sie ruhigzustellen!

Also doch bestechlich !?

Dieses Geld sollte doch der schleswig-holsteinischen Fischerei vorrangig zur Verfügung gestellt werden, die durch diese Maßnahmen erheblich beeinträchtigt wird.

Da die von allen Seiten auf die Fischerei einstürzenden Bestrebungen des Naturschutzes nicht nur die Konsumfischerei sondern auch die Krabben- und Muschelfischerei betreffen, hat sich eine Fischereiliche Notgemeinschaft gebildet, um auch künftig die Existenz der Fischereibetriebe zu sichern.

Über die Probleme der Stellnetzfischerei habe ich ja eben berichtet.

An der Westküste will man den Krabbenfischern 50 % Nullnutzungszone aufzwingen.

Die Muschelfischer sollen auf die Besatzmuschelfischerei im gesamten nordfriesischen Wattenmeer verzichten.

Seit Jahrhunderten fischen diese Fischereibetriebe im Ökosystem Wattenmeer, und alles ist noch in Ordnung!

Den Umweltverbänden sind diese Betriebe ein Dorn im Auge, sie wollen die Fischer dort nicht mehr haben. Warum? Um ihre eigenen Spielwiesen zu haben, wo kein anderer in ihren Augen reinpasst.

Die Notgemeinschaft ist ein loser Zusammenschluss von Fischereibetrieben aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen ohne Satzung und Mitgliedsbeiträge. Sie koordiniert die Aktivitäten zum Widerstand gegen überzogene grüne Naturschutzpolitik.

Ansprechpartner sind über den Landesfischereiverband Schleswig-Holstein oder den Verband der deutschen Kutter- und Küstenfischer in Hamburg zu erreichen.

Hinter mir sehen sie das Logo dieser Notgemeinschaft.

Meine Damen und Herren, es gibt sicher noch viele andere Dinge, die anzusprechen sind. Ich möchte aber auch meinen Berufskollegen und unseren Gästen die Gelegenheit geben, ihre Anliegen hier vorzutragen bzw. ihre Grußworte zu sprechen. Bevor ich die Diskussioneröffne, bitte ich aber Herrn Dr. Zimmermann, uns einiges über die neuesten ICES-Empfehlungen für die Fangquoten in der Ostsee für das kommende Jahr zu sagen.

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